Modellflug

Erster Elektro-Modellflug
auf dem Antarktischen Kontinent


Dieser Artikel wurde auch in der Zeitschrift Modell-Flieger
des DMFV Ausgabe 11-12/96 veröffentlicht

Als erstes wird sich jeder fragen, wie kommt jemand auf die Idee, in der Antarktis Modellflug zu betreiben. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München unterhält seit 1991 die deutsche Forschungsstation GARS (German Antarctic Receiving Station) in der Antarktis. Ich arbeite seitdem jedes Jahr ungefähr zwei Monate auf dieser Forschungsstation.

Da ich seit über 20 Jahren begeisterter Modellflieger bin, lag die Idee nicht fern, auch an diesem ungewöhnlichen Ort meinem Hobby nachzugehen. Aber von der Idee bis zur Umsetzung dieses Vorhabens dauerte es über ein Jahr, da sehr langfristig vorausgeplant werden musste. Denn nach der Ankunft gibt es keine Transportmöglichkeit mehr bis zum verlassen der Station. Die Auswahl des Modells und des richtigen Materials war nicht einfach. Ich hatte wenig Hoffnung einen Verbrennungsmotor bei den extremen Minustemperaturen starten zu können, und aus Umweltschutzgründen kam dies auch nicht in Frage.

Für den Transport stand mir nur eine Alukiste zur Verfügung, die eine maximale Länge von 80 cm hat, was die Größe des Modells automatisch beschränkt. Was blieb ist ein kleines zerlegbares Motorflugzeug mit Elektromotor. Ich suchte auf dem Modellbaumarkt nach einem passenden Modell, fand aber auf Anhieb keines, das meinen Ansprüchen genügte. Nach längerem Suchen und Abwägen entschied ich mich für den kleine E-Bingo von Robbe. Ein kleine, solider Hochdecker, der noch nach etwas aussieht.

Das Flugzeug

Der Bausatz ist in gewohnter Robbe-Qualität: sauber gestanzte Balsaholzteile und gut passende Kunststofftiefziehteile. Die gute Bauanleitung ist fast nicht erforderlich, da das Modell sehr einfach und schnell zu bauen ist. In wenigen Tagen war der Rohbau fertig. Für meinen speziellen Einsatzzweck mussten natürlich einige Veränderungen am Modell vorgenommen werden.

Da der Flügel mit einer Spannweite mit 1200 mm zu groß war, musste er teilbar gebaut werden. Dazu wurden vier extra Sperrholzrippen angefertigt, um eine zusätzliche Verstärkung in den Flügeln zu gewährleisten. In diese Rippen wurden 3 mm Messingröhrchen mit 5 min. Epoxydharz eingeklebt, um für die teilbaren Flächen die Stahldrähte aufzunehmen. Die Flächenbefestigung ist mit altbewährten Gummis abgeändert worden. Das Höhenruder wurde durch dünnes Sperrholz verstärkt, mit zwei M 3 Schrauben demontierbar vom Rumpf gebaut. Durch diese Änderungen ist der E-Bingo im zerlegten Zustand extrem klein und passt fast in jeden Koffer, will man z.B. an seinem Urlaubsort auf sein geliebtes Hobby nicht verzichten.

Um Vibrationen vom Motor auf das Modell zu vermeiden, wurde der Motorträger gummigelagert am Rumpf befestigt. Für diesen Zweck gibt es bei der Firma Conrad Electronic so genannte ISO-Blindmuttern mit Gewinde M4, (0,95 DM das Stück, Best.-Nr. 5532 304-99). Diese sind aus Schwingungsdämpfenden Neoprenen, öl- und korrosionsbeständig. Diese Motoraufhängung hat sich schon bei vielen meiner Modelle bewährt. Das Fahrwerk wurde selbst konstruiert, da dieses ja mit Schneekufen ausgestattet werden sollte. Dazu wurde aus 1,5 mm Duraluminium das Hauptfahrwerk gebogen, die Schneekufen aus 0,8 mm Duraluminium gefertigt. Die seitlichen Enden der Kufen wurden gefalzt, um eine erhöhte Festigkeit zu erhalten.

Bespannt wurde das Modell mit normaler handelsüblicher Bügelfolie. Allerdings vertrug die Folie die Temperaturschwankung zwischen beheizter Unterkunft und der Außentemperatur nicht. Nach Verlassen der Station bildeten sich extreme Falten, die aber später wieder ausgebügelt werden konnten. Mir war auch klar, dass Kunststoffteile bei extremen Minustemperaturen brüchig werden. Ich testete daher schon zu Hause in der Tiefkühltruhe einige Kunststoffteile auf die Belastbarkeit. Besonders bei kritischen Bauteilen wie den Ruderschahnieren und der Anlenkung sollte man weitgehend auf Kunststoffteile verzichten. Um ein Brechen der Motorhaube und Kunststoff-Fenster zur vermeiden, dürfen diese nicht mit Schrauben befestigt werden. Besser bewährt hat sich hier Klebeband oder Klettverschluss.

Motorisiert wurde der kleine E-Bingo mit einem Speed 600 und einer 8x4 Luftschraube. Da das Akkufach Platz für acht Zellen bietet, flog ich mit acht Sanyo 1,8 Ah Zellen, was natürlich genügend Leistungsreserven beinhaltet. Geregelt wurde der Motor mit einem Kontronik BCE 40-6-12 Regler, der sich in meinen anderen Modellen hervorragend bewährt hat. Auf einen eigenen Akku für die Empfängerstromversorgung wurde aus Gewichtsgründen verzichtet. Viele Modellbauer mögen dies ja nicht, aber die BCE- Versorgung funktioniert aus eigener Erfahrung bei diesem Regler einwandfrei. Ich hatte bei meinem Regler noch nie irgendwelche Ausfälle oder Störungen.

Motorisiert wurde der kleine E-Bingo mit einem Speed 600 und einer 8x4 Luftschraube. Da das Akkufach Platz für acht Zellen bietet, flog ich mit acht Sanyo 1,8 Ah Zellen, was natürlich genügend Leistungsreserven beinhaltet. Geregelt wurde der Motor mit einem Kontronik BCE 40-6-12 Regler, der sich in meinen anderen Modellen hervorragend bewährt hat. Auf einen eigenen Akku für die Empfängerstromversorgung wurde aus Gewichtsgründen verzichtet. Viele Modellbauer mögen dies ja nicht, aber die BCE- Versorgung funktioniert aus eigener Erfahrung bei diesem Regler einwandfrei. Ich hatte bei meinem Regler noch nie irgendwelche Ausfälle oder Störungen.

Den E-Bingo hatte ich schon in den ersten Tagen nach der Ankunft auf der Station startklar gemacht. Also rein in die Schneestiefel und Thermooverall und raus aus dem Container in die Kälte. Ich ging etwas abseits der Pinguin-Kolonien, um einen geeigneten Startplatz zu suchen. Natürlich wollte ich die putzigen Tierchen nicht erschrecken oder gefährden. Für einen Bodenstart war leider die Oberfläche des Schnees zu holprig. Nach Überprüfung der Fernsteuerung war es nun soweit: Der JUNGFERNFLUG des E-Bingos.

Den Motor auf Vollgas, fünf Schritte anlaufen und mit einem kräftigen Wurf gerade aus in die Luft. Der E-Bingo zog sofort stark nach rechts weg. Ich nahm sofort das Gas weg und konnte das Modell gerade noch abfangen. Mit starkem Gegensteuern versuchte ich erst einmal Sicherheitshöhe zu bekommen, um das Modell zu trimmen. Nach ein paar Schleifen, landete ich auf dem Schnee, was sich als nicht ganz einfach erwies. Ich war heilfroh, dass nichts zu Bruch ging. Dies wäre ja auch ein kurzes Vergnügen gewesen. Nicht ganz einfach ist es, mit dicken Handschuhen zu fliegen, was aber unerlässlich ist, da sonst die Finger in ca. drei bis vier Minuten die ersten Erfrierungserscheinungen zeigen und taub werden. Nach dem Aufwärmen in der mollig warmen Station stellte ich den Motorsturz neu ein und trimmte das Modell nach. Auf ein Neues, beim nächsten Start flog der E-Bingo wie von alleine. Das Modell gewann schnell an Höhe und zog seine Bahnen am Kristall klaren Himmel. Es war ein unbeschreibliches Gefühl (vor allem kalt). An diesem Tag absolvierte ich noch fünf weitere Flüge, den letzten mit schwererem Bruch. Beim letzten Landeanflug hatte ich die Gruppe Pinguine nicht bemerkt, die neugierig näher gekommen waren. Bei meinem Ausweichmanöver verlor ich die Kontrolle und krachte in eine Hartgefrorene Schneewehe. Die vordere Hälfte des Rumpfes war total zerstört. Eine Reparatur vor Ort war nicht mehr möglich, da sich auch die Welle des Motors und der Luftschraube verbogen hatte. Genau diese Teile hatte ich als Ersatz nicht dabei. Das war's.

Modellflug in der Antarktis ist wirklich ein Erlebnis ( man muss ja nicht immer gleich zu Fuß durchlaufen ), das ich bestimmt nicht vergessen werde und im nächsten Jahr wiederhole. Der E-Bingo ist vom Bau und Fliegen für Anfänger sehr gut geeignet. Auch unter extremen Bedingungen ist dies ein kompaktes Modell. Aber auch erfahrene Modellflieger können mit dem E-Bingo ihren Spaß haben.